Adorno: Liebe

Zitat

“Dem Gekränkten, Zurückgesetzten geht etwas auf, so grell wie heftige Schmerzen den eigenen Leib beleuchten. Er erkennt, daß im Innersten der verblendeten Liebe, die nichts davon weiß und nichts wissen darf, die Forderung des Unverblendeten lebt. Ihm geschah unrecht; daraus leitet er den Anspruch des Rechts ab und muß ihn zugleich verwerfen, denn was er wünscht, kann nur aus Freiheit kommen. In solcher Not wird der Verstoßene zum Menschen. Wie Liebe unabdingbar das Allgemeine ans Besondere verrät, in dem allein jenem Ehre widerfährt, so wendet tödlich nun das Allgemeine als Autonomie des Nächsten sich gegen sie. Gerade die Versagung, in der das Allgemeine sich durchsetzte, erscheint dem Individuum als Ausgeschlossensein vom Allgemeinen; der Liebe verlor, weiß von allen sich verlassen, darum verschmäht er den Trost.” (p. 308) #Adorno #Liebe

Adorno, Theodor W., Minima Moralia: Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Berlin, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag 1951. 488 S.

Adorno: Innerlichkeit

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“Auch bei verschlossenen Menschen ist oft ungewiß, ob die Tiefe ihrer Innerlichkeit, wie sie zu verstehen geben, vor Profanation schaudert, oder ob ihre Kälte so wenig etwas zu sagen hat wie irgend etwas ihr.” (p. 122) #Adorno #VerschlosseneMenschen #Innerlichkeit

Adorno, Theodor W., Jargon der Eigentlichkeit. Zur deutschen Ideologie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1997.

Adorno: Entäußerung

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“Das Wort Entäußerung, das vom Gehorsam des privaten Willens die Erlösung von der privaten Willkür erwartet, bekennt, eben indem es das Äußere als dem Subjekt institutionell Gegenüberstehendes nachdrücklich festhält, trotz aller Beteuerungen von Versöhnung die fortdauernde Unversöhnlichkeit von Subjekt und Objekt, die ihrerseits das Thema der dialektischen Kritik ausmacht.” (p. 478) #Adorno #Entäußerung #Subjekt #Objekt #Kritik

Adorno, Theodor W., Minima Moralia: Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Berlin, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag 1951. 488 S.

Adorno: Leben

Zitat

“Leben wird nach dem ganz Abstrak­ten und dem ganz Konkreten polarisiert, während es einzig in der Spannung dazwischen wäre; beide Pole sind gleich verding­licht, und selbst was vom spontanen Subjekt erübrigt, die reine Apperzeption, hört durch ihre Ablösung von jedem lebendigen Ich, als Kantisches Ich denke, auf, Subjekt zu sein und wird in ihrer verselbständigten Logizität von der allherrschenden Starre überzogen.” (p. 96) #Adorno #Leben

Adorno, Theodor W., Negative Dialektik. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1966.

Adorno: Das transzendentale Subjekt und die Wahrheit

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“Als äußerster Grenzfall von Ideologie rückt das transzendentale Subjekt dicht an die Wahrheit. Die transzendentale Allgemein­heit ist keine bloße narzißtische Selbsterhöhung des Ichs, nicht die Hybris seiner Autonomie, sondern hat ihre Realität an der durchs Äquivalenzprinzip sich durchsetzenden und verewigenden Herr­schaft.” (p. 178) #Adorno #Ideologie #Subjekt #Wahrheit #Ich

Adorno, Theodor W., Negative Dialektik. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1966.