Heidegger: Die Vereigentlichung

Zitat

“Diese »einsamste Einsamkeit« liegt vor und über jeder Un­terscheidung des Ich vom Du und des Ich und Du vom »Wir«, des Einzelnen von der Gemeinschaft. In dieser einsamsten Einsamkeit ist nichts von der Vereinzelung als Absonderung, es ist jene Vereinzelung, die wir als die Vereigentlichung begreifen müssen, wo der Mensch sich in seinem Selbst zu eigen wird. Das Selbst, die Eigentlichkeit ist nicht das »Ich«, es ist jenes Da­-sein, worin der Bezug des Ich zum Du und des Ich zum Wir und des Wir zum Ihr gründet, von woher diese Bezüge erst und allein bewältigt werden können und bewältigt werden müssen, wenn sie eine Kraft sein sollen. Im Selbst-sein wird zur Ent­scheidung gestellt, welches Gewicht die Dinge und Menschen haben, mit welcher Waage gewogen wird und wer der Wäger ist. Wie – wenn dir in diese einsamste Einsamkeit ein Dämon nachschliche und dich vor die ewige Wiederkunft des Gleichen stellte: »›Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht – und du mit ihr, Stäubchen vom Staube!‹«” (I, p. 244) #Heidegger #Vereigentlichung #Einsamkeit #Selbst

Heidegger, Martin, Nietzsche, 2 Bde.. Stuttgart: Neske 61998.

Heidegger: Die Überschattung des Seins

Zitat

“Die Überschattung des Seins durch das Seiende kommt aus dem Sein selbst, als die Seinsverlassenheit des Seienden im Sinne der Verweigerung der Wahrheit des Seins.

Doch, indem wir diesen Schatten als Schatten erblicken, ste­hen wir schon in einem anderen Licht, ohne das Feuer zu fin­den, dem sein Leuchten entstammt. Der Schatten selbst ist so schon anderes und keine Verdüsterung”. (I, p. 593) #Heidegger #Überschattung #Sein

Heidegger, Martin, Nietzsche, 2 Bde.. Stuttgart: Neske 61998.

Heidegger: Chaos

Zitat

“χάος meint anfänglich das Aufgähnende und weist in die Richtung des unabmeßbaren, stütze- und grundlosen, aufklaf­fenden Offenen (vgl. Hesiod, »Theogonie«, 116). Warum die Grunderfahrung, die das Wort nennt, nicht zur Herrschaft kam und nicht kommen konnte – das zu erörtern liegt außerhalb der jetzigen Aufgabe. Genug, wenn wir beachten, daß die seit lan­gem geläufige Bedeutung des Wortes »Chaos« – und d. h. im­mer die durch dieses Wort geleitete Sichtweise – keine ur­sprüngliche ist. Das Chaotische heißt uns das Durcheinander, das Wirre, das Sichübereinanderstürzende. Chaos meint nicht nur das Ungeordnete, sondern dieses: das Wirre in der Verwir­rung, das Durcheinander in der Überstürzung. Chaos in der späteren Bedeutung meint immer mit eine Art von »Bewe­gung«.” (I, p. 506) #Heidegger #Chaos

Heidegger, Martin, Nietzsche, 2 Bde.. Stuttgart: Neske 61998.

Heidegger: Der Ursprung der Werte

Zitat

“Die Kritik der bisherigen höchsten Werte ist nicht einfach eine Widerlegung derselben als unwahrer, sondern ist die Auf­weisung ihres Ursprungs aus Setzungen, die gerade das bejahen müssen, was durch die angesetzten Werte verneint werden soll. Kritik der bisherigen höchsten Werte heißt daher eigentlich: Aufhellung des fragwürdigen Ursprungs der zugehörigen Wert­setzungen und somit Nachweis der Fragwürdigkeit dieser Werte selbst.” (I, p. 23) #Heidegger #Werte #Ursprung

Heidegger, Martin, Nietzsche, 2 Bde.. Stuttgart: Neske 61998.