Anicker: Verschiedene Sprachen

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„Wird eine Kompetenz also ›zur Sprache gebracht‹, kommen Effizienz, Gerechtigkeit, Weisheit, Schönheit usw. als unterschiedliche Kriterien der Adäquatheit und der Rechtfertigung von Performanzen zum Vorschein. Der Aspekt, auf den Lyotard diesbezüglich hinauswill: Es lässt sich nicht in der Sprache der Naturwissenschaft ausdrücken, was »Wissen« im Bereich der Ästhetik bedeutet und ebenso wenig kann man die »Wahrheit« empirischer Wissenschaften mit Kategorien der Moral abbilden.“ (p. 89) #Anicker #Lyotard #Sprache #Wissen #Wahrheit

Anicker, Fabian, Entwurf einer Soziologie der Deliberation. Kommunikative Rationalität und kulturelle Heterogenität. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2019, ISBN 978-3-95832-190-8.

Heidegger: Sprachphilosophie

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„Seynsgeschichtlich erfahren wir jedoch, daß wir das Wort nicht werkzeuglich in der Art von Wörtern auf die Gegenstände anwenden, sondern im ungegenständlichen Wort erst nicht nur Gegenstände, sondern überhaupt Seiendes vernehmen. Wo ist denn »das Wort«, wenn es nicht als menschliches Gemächte nur dem Ding angeheftet ist? Die Metaphysik der Sprache als die Verkennung des Wesens des Wortes fragt weder nach diesem »Wo?«, noch vermag sie, es zu bestimmen. Sie flüchtet sich, falls ihr die Frage begegnet, eilig zum sprechenden Menschen zurück. Wenn uns im Wort erst – oder auch im noch nicht gefundenen »Wort« – das Seiende erst als dieses entgegenkommt, und wenn das Seiende nur im Sein geeignet wird zum Seienden, dann muß das Wort zum Sein selbst gehören und darf nur aus der Wahrheit des Seyns erfragt werden.

Mit diesem Schritt ist alle »Sprachphilosophie« überwunden.“ (p. 72) #Heidegger #Wort #Ding #Sprache #Sprachphilosophie

Heidegger, Martin, Zum Wesen der Sprache; herausgegeben von Thomas Regehly; Bd. 74 (Gesamtausgabe). Frankfurt a.M.: Klostermann 2010.

Foerster: Sprache

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„Nehmen Sie nur die Frage: Was ist Sprache? In dem Moment, in dem man diese Frage stellt, wird Sprache erzeugt. Sprache läßt sich nicht ontologisch und mit dem Hinweis auf irgendein merkwürdiges Organ, von dessen Existenz der Linguist Noam Chomsky ausgeht, erklären, sondern nur ontogenetisch. Sprache ist nicht, sie geschieht. Die Frage ‚Was ist Sprache?‘ beantwortet sich selbst, indem sie ausgesprochen wird. Das ist eine Art logischer Purzelbaum, eine autologische Struktur! Auch hier finden wir wieder das Prinzip der Zirkularität.“ (p. 86) #Foerster #Sprache #Chomsky #Zirkularität

Foerster, Heinz von/Pörksen, Bernhard, Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme 31999, ISBN 3-89670-096-0.

Heidegger: Sprache und Ereignis

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„Wenn die Götter die Erde rufen und im Ruf eine Welt wider­hallt und so der Ruf anklingt als Da-sein des Menschen, dann ist Sprache als geschichtliches, Geschichte gründendes Wort.

Sprache und Ereignis. Aufklang der Erde, Widerklang der Welt. Streit, die ursprüngliche Bergung der Zerklüftung, weil der innigste Riß. Die offene Stelle.

Sprache, ob gesprochen oder geschwiegen, die erste und wei­teste Vermenschung des Seienden. So scheint es. Aber sie gera­de die ursprünglichste Entmenschung des Menschen als vor­handenes Lebewesen und »Subjekt« und alles Bisherigen. Und damit Gründung des Da-seins und der Möglichkeit der Ent­menschung des Seienden.

Die Sprache gründet im Schweigen. Das Schweigen ist das verborgenste Maß-halten. Es hält das Maß, indem es die Maßstabe erst setzt. Und so ist die Sprache Maß-setzung im Inner­sten und Weitesten, Maß-setzung als Erwesung des Fugs und seiner Fügung (Ereignis). Und sofern die Sprache Grund des Da-seins, liegt in diesem die Maßigung und zwar als der Grund des Streites von Welt und Erde.“ (p. 510) #Heidegger #Sprache #Ereignis

Heidegger, Martin, Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis); Bd. 65 (Gesamtausgabe; Band III. Abteilung). Frankfurt a.M.: Vittorio Klostermann 1989. 513 S.

Deleuze/Guattari: Sprache

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„Sprache ist weder informativ noch kommunikativ, sie ist keine Übermittlung von Information, sondern – und das ist etwas ganz anderes – eine Transmission von Befehlen oder Parolen, entweder von einer Aussage zur nächsten oder im Inneren jeder Aussage, insofern eine Aussage eine Handlung vollendet und die Handlung sich in der Aussage vollendet.“ (p. 111) #Deleuze #Guattari #Sprache

Deleuze, Gilles/Guattari, Félix, Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie II. Berlin: Merve 1997.