„Handeln, oder die Bewältigung von Situationen, stellt sich als Kreisprozeß dar, in dem der Autor beides zugleich ist – der Initiator zurechenbarer Handlungen und das Produkt von Überlieferungen, in denen er steht, von solidarischen Gruppen, denen er angehört, von Sozialisations- und Lernprozessen, denen er unterworfen ist.“ (p. 204f.)
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Die Zeit der Serie
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„Demnach muß die Zeit der Serie sowohl gedacht werden als aus Zeitpunkten zusammengesetzt, wie auch, im Widerspruch dazu, als kontinuierlich, wenn sie nämlich die allgemeine Form der seriellen Zuordnung abgeben soll, die den Einzelereignissen logisch vorausliegt. Die atomare Qualität verleiht der Geschichte die Gestalt der Serie, das Kontinuitätspostulat läßt die seriellen Ereignisse nur unter der Form der Immer-schon-Verknüpftheit erscheinen.“
Röttgers, Kurt, Der kommunikative Text und die Zeitstruktur von Geschichten, Freiburg/München, 1982, p. 96
Strafgesetze
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„Man vergreift sich sehr, wenn man die Strafgesetze eines Volkes studiert, als ob sie ein Ausdruck seines Charakters wären; die Gesetze verraten nicht das, was ein Volk ist, sondern das, was ihm fremd, seltsam, ungeheuerlich, ausländisch erscheint.“
Nietzsche, Friedrich, Die fröhliche Wissenschaft, in: ders., Werke II, 6. Aufl., München, 1969, p. 67
Lebenswelt
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„Wenn wir nun die bewußtseinsphilosophischen Grundbegriffe, in denen Husserl die Lebensweltproblematik behandelt, aufgeben, können wir uns die Lebenswelt durch einen kulturell überlieferten und sprachlich organisierten Vorrat an Deutungsmustern repräsentiert denken.“ (p. 189)
Alltagswelt und Wahn
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„Was geschieht aber, wenn die Trennungslinie zwischen normaler Alltagswelt und Wahn nicht so leicht zu ziehen wäre? Wenn das Normale eher selten, die Abweichung, das Pathologische aber verbreitet, vielleicht sogar die Regel wäre? Wenn der Wahn nicht nur in der harmlosen folie à deux Methode hätte? Wenn es den „common sense“ nicht geben würde, sondern nur einen örtlich und zeitlich begrenzten Sinn? Handlungen, die zu einer Zeit an einem Ort nicht nur erlaubt, sondern geradezu gefordert sind, können zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort verboten sein, ohne daß man objektiv feststellen könnte, die eine Lebenswelt sei „normaler“ als die andere. Vielleicht wäre es darum sinnvoller, die alltägliche Lebenswelt nicht als eine von anderen Lebensbereichen abgeschnittene Welt zu betrachten, die sogar noch über den anderen Lebensbereichen steht („paramount reality“), sondern als eine Welt, die durch alle möglichen, sich zeitlich. räumlich und sozial verändernde Faktoren bestimmt wird.“
Clausjürgens, Reinhold, Besprechung: Alfred Schütz/Thomas Luckmann, Strukturen der Lebenswelt, in: Soziologische Revue, 9. Jahrgang, 1986, Heft 1, p. 52