„Der Protestantismus hat nicht nur die bald einsetzenden Reformen der katholischen Kirche angestoßen, sondern allgemein eine den modernen Lebensbedingungen angepasste, nämlich reflektierte Form des religiösen Bewusstseins geprägt. In der Wendezeit der Reformation zeigt sich besonders deutlich, dass die theologischen Diskurse selbst zur treibenden Kraft im Prozess der Säkularisierung geworden sind. Die nichtintendierten Folgen der theologischen Verarbeitung gesellschaftlicher Veränderungen und Lernprozesse erklärt, warum protestantische Motive – trotz der ursprünglichen Frontstellung gegen die Philosophie – auch in diese eindringen. Ironischerweise stößt gerade die theozentrische Lehre von der bedingungslosen Auslieferung des menschlichen Schicksals an Gottes undurchschaubares Erbarmen mit der entschlossenen Emanzipation des Glaubens von aller Metaphysik das Tor zu einer anthropozentrischen Wende der Philosophie auf – und wird damit zum Bahnbrecher nachmetaphysischen Denkens. In gewisser Weise beendet der Protestantismus das »Zeitalter des Weltbildes«.“ (II, p. 13f.) #Habermas #Protestantismus
Thom: Infinite-dimensional Vector Spaces
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„Let f: U –> V be a map between two differential manifolds, and to each point u of U associate a variation δv of the image v=f(u). Taking all possible variations δv(u), depending differentiably on u, gives all maps g close to f, and these variations (regarded as vectors tangent to f) form an infinite-dimensional vector space. The function space L(U, V) of maps from U to V can thus be considered as an infinite-dimensional manifold. I refer to books on functional analysis for definitions and properties of the topologies (Hilbert space, Banach space, Frechet space, etc.) that are possible on infinite-dimensional vector spaces and, in turn, on infinite- dimensional manifolds. Here we are interested only in a closed subspace L of finite codimension, namely, the bifurcation set H. In the study of subspaces of this type, the actual choice of topology on the space of tangent vectors δv(u) is, in practice, irrelevant.“ (p. 339) #Thom #infinite-dimensionalVectorSpaces
Adorno: Leben
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„Leben wird nach dem ganz Abstrakten und dem ganz Konkreten polarisiert, während es einzig in der Spannung dazwischen wäre; beide Pole sind gleich verdinglicht, und selbst was vom spontanen Subjekt erübrigt, die reine Apperzeption, hört durch ihre Ablösung von jedem lebendigen Ich, als Kantisches Ich denke, auf, Subjekt zu sein und wird in ihrer verselbständigten Logizität von der allherrschenden Starre überzogen.“ (p. 96) #Adorno #Leben
Ricœur: Babel
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„Après Babel, «comprendre, c‘ est traduire».“ (p. 44) #Ricœur #Babel
Merleau-Ponty: Wunder
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„Heute wie einst gibt es jedoch nur ein einziges Wunder – allerdings ein beachtliches –, nämlich das Wunder, daß der Mensch spricht oder rechnet, mit anderen Worten, daß er sich diese wunderbaren Organe wie den Algorithmus und die Rede geschaffen hat, die sich niemals abnutzen, sondern sich im Gegenteil durch den Gebrauch noch erweitern, die unbegrenzt einsatzfähig und in der Lage sind, mehr zurückzugeben, als man hineingelegt hatte, und die dennoch nicht aufhören, sich auf die Dinge zu beziehen.“ (p. 284) #Merleau-Ponty #Wunder #Algorithmus #Rede